Seit einigen Jahren ist im Webdesign eine erfreuliche Entwicklung hin zu Usability, Barrierefreiheit und dem Einhalten von Webstandards zu beobachten. Im Zuge dieser Entwicklung haben auch relative Schriftgrößen einen Siegeszug durch das Web angetreten. Dass der fast flächendeckend falsche Einsatz relativer Schriftgrößen die viel beschworene Usability ad absurdum führt, scheinen weder die Usability- und CSS-Gurus noch die große Anzahler deren Jünger einzusehen.
Die Idee, die hinter relativen Schriftgrößen steckt, ist wunderbar. Der User gibt durch seine Browsereinstellungen vor, welche Schriftgröße er für Fließtext als ideal und komfortabel lesbar empfindet und der Webdesigner muss sich darum keine Gedanken mehr machen, sondern er gibt lediglich noch Überschriften und Fußzeilen etc. Schriftgrößen-Angaben mit auf den Weg.
In der Realität sieht der Einsatz relativer Schriftgrößen durch die Bank ganz anders aus. Da die meisten User überhaupt nicht wissen, dass sie ihre jeweilige Idealschriftgröße festlegen können, kommt fast immer die standardmäßige Voreinstellung von meist 16px zum Zuge. Dies wiederum ist sowohl den meisten Webdesignern aus ästhetischen Gründen ein Dorn im Auge, als auch für die meisten User zu groß, um komfortabel längere Textpassagen zu lesen. Was macht also der „schlaue“ Webdesigner? Er verwendet nicht etwa Pixel als Maßeinheit um plattform- und browserübergreifend eine gut lesbare Schriftgröße vorzugeben, sondern legt die Schriftgröße beispielsweise auf 70% oder 80% fest, weil das schließlich im Gegensatz zur Verwendung von px eine in Usability- und CSS-Kreisen gebilligte und sogar empfohlene Vorgehensweise ist.
Genau diese Praxis ist aber der Gipfel der Anti-Usability und kommt einer Verarschung des mündigen Users gleich. Diejenigen User nämlich, die ihre Schriftgröße individuell für sich im Browser auf beispielsweise 12px eingestellt haben, sind dadurch mit einer fast unleserlich kleinen Fliesstext-Schrift konfrontiert und müssen sich die Mühe machen, die Schrift manuell größer zu skalieren beziehungsweise müssen wider Willen darauf verzichten, die Browserschriftgröße ihren Bedürfnissen anzupassen.
Wer als Webdesigner Usability groß schreibt, aber die Schriftgröße vorgeben möchte, hat im Sinne der Usability nur eine Wahl: Pixel als Einheit für Schriftgrößen zu verwenden. Damit gewährleistet man allen Usern die Lesbarkeit der Texte. Das oft in den Raum geworfene Argument, dass User, die den Internet Explorer verwenden, diese Texte dann nicht mehr skalieren können, ist und bleibt eine Farce. Die wenigsten User kennen diese Möglichkeit und diejenigen, die Wert darauf legen, werden einen anderen Browser verwenden. Nebenbei bemerkt ist es doch gerade die CSS-Szene, die nicht müde wird zu bekunden, was für ein schlechter Browser der Internet Explorer doch sei.
Gerade in dem enorm wichtigen Bereich der Usability, der Lesbarkeit von Texten im Internet, produzieren diejenigen, die am lautesten nach Usability schreien, eine Anti-Usability, die ihresgleichen sucht und eine Entwicklung der User zu mündigen Usern im Keim erstickt.
1. Die Wahrheit über relative Schriftgrößen » heig.de am 15. September, 2009:
[...]wird Fließtext oft mit 75% oder 80% definiert. Der dotfly -blog schildert im Artikel “Die Farce mit den relativen Schriftgrößen“, warum dieses Vorgehen genau das Gegenteil von “Usability” ist. Ein[...]